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 Pasewalk-Police-Phönix |
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Trümmerkugel Pasewalk-Police-Phönix
Auferstehung aus Ruinen
(PN/Nau.). Pasewalk ist um eine besondere Sehenswürdigkeit reicher. Mitte Dezember hat der Schweiz-Kanadier Ernest Daetwyler seine Plastik „pasewalk-police-phoenix“ fertig gestellt. Kriegstrümmer aus beiden Städten sind zu einer haushohen und begehbaren Kugel aufgemauert worden.
Daetwylers Skulptur ist ein mahnendes Zeichen. Mehrere Wochen lang ließ er im Sommer im polnischen Police nach Trümmerschutt der vormals deutschen und kriegswichtigen Hydrierwerke graben; ebenso auf deutscher Seite, wo bei Friedberg eine alte Bauschuttdeponie der Nachkriegszeit geöffnet wurde. Aus Betonbruch, Ziegeln, Fliesenresten, Kachelfragmenten, Flaschenböden u. a. m. mauerte er in rund sechsmonatiger Bauzeit eine begehbare Kugel, die über der Erde zu schweben scheint und die nach oben geöffnet ist. Der allseits gerundete Raum hat ein sehr markantes Echo.
Bei näherer Betrachtung erschließt sich der Sinn der Kugeloberfläche. Hier sind Lebensspuren vergangener Generationen beider Orte zusammengetragen worden. Glas- und Porzellanscherben, Fliesenbruchstücke, Ziegelbrocken mit Firmenlogo, Reste von Tellern, elektrische Bauteile - so scheinbar willkürlich zusammengefügt verbindet ein gemeinsamer Umstand diese Materialien: Es sind dingliche menschliche Lebensspuren, die Feuer und Sprengstoff überdauert haben.
Gewagtes künstlerisches Symbol
Die Gestalt des Phoenix ist ein altes mythisches wie künstlerisches Symbol. Wenn ein Feuer verlischt und die Asche in sich zusammenfällt, entsteigt mit dem letzten Rauchfaden ein Vogel zu neuem Leben und zu neuem Gesang. Daetwyler wählte für seine Phönix-Version die Gestalt einer Kugel. Das ist gewagt. Er habe aus Fragmenten von Krieg und Gewalt eine zeitgenössische Skulptur mit stiller, starker Präsenz schaffen wollen, sagte der Künstler gegenüber PN. Kreis und Kugel stehen für Symbole des Lebens. Der Kontext seines Projekts bezieht sich auf die bewegte und gewalttätige Geschichte der heute partnerschaftlich agierenden Städte Pasewalk auf der deutschen und Police auf der polnischen Seite von Pommern. Im gesamten Landstrich findet sich kaum eine Generation, die nicht ohne die Erfahrung von Konflikt und Krieg aufgewachsen ist, angefangen bei den Fürstenfamilien von Brandenburg und Pommern und später durch Heere polnischer, schwedischer, dänischer, bayrischer, französischer oder russischer Nationalität. Zudem brachten vorbeiziehende Truppen ohne Führung Hunger, Grausamkeiten, Tod und Verwüstung. Das sind typische Grenzland-Erfahrungen. Und jedes Mal haben die Generationen wieder aufgebaut, repariert, erneuert, Neues hingestellt. Dieses Auferstehen tanzte der Spanier Jesus F. Soberon in einer bewegenden Performance vor rund 150 Teilnehmern zur Eröffnung des Kunstwerkes. In der Endphase hatte er selbst mit Hand angelegt.
Bereicherung am historischen Ort
Im Pasewalker Leninhain - die Ortsbezeichnung aus tiefer DDR-Zeit scheint ungebrochen weiter gebräuchlich zu sein - häufen sich nunmehr die Memoriale. Etwa in der Mitte die als der eigentliche „Leninhain“ benannte Gedenkstätte mit Stele und steinverkleideter Wandung. Der dekorative Stein soll von Altbürgermeister Eberhard Schmidt auf Wegen besorgt worden sein, die man am ehesten mit „sozialistischer Gang“ umschreiben kann. Darauf ein auf der Spitze stehendes Dreieck als Symbol für Opfer des Faschismus, das Zeichen, dass politische Gefangene in deutschen Konzentrationslagern auferlegt worden war. Ein Stück weiter die russische Kriegsgräberstätte. Noch ein Stück weiter der Gedenkstein an den Jüdischen Fabrikanten Paul Behrend, dessen Eisenwerk etwa an gleicher Stelle stand. Nunmehr bereichert Daetwylers Kugel die Sichtachse um einen herausragenden Aufmerksamkeitspunkt. Dem Platz stünde insgesamt etwas mehr gärtnerische Aufmerksamkeit gut, insbesondere was den Zustand der Wege anbetrifft.
Künstler zieht weiter
Bei dem Kosmopoliten Ernest Daetwyler sind verschiedene künstlerische Projekte auch während seines Pasewalk-Aufenthaltes weiter gegangen. Seit dem Jahreswechsel arbeite er an mehreren neuen Projekten, unter anderem einer großen reisenden Ausstellung mit neuen Arbeiten und einem Katalog, der einen Überblick der letzten zwölf Jahre bieten werde, teilt er auf Anfrage gegenüber PN mit. In seinem Terminplan steht eine zweiten große Ausstellung in Kanada und ein Pilotprojekt in Berlin, an dem KünstlerInnen mit WissenschaftlerInnen direkt zusammenarbeiten. Daneben zeichnen sich für ihn neue Aufgaben in der Schweiz, Deutschland, Polen und in China ab.
Wer bei seinem Pasewalk-Projekt auf dem Laufenden bleiben will, hat auf der Internetseite www.pasewalk-police-phoenix.com Gelegenheit dazu.
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| Foto: Karl Naujoks |
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Dank an alle Beteiligten
Das Projekt wurde neben den Städten Pasewalk und Police unterstützt von Canada Council for the Arts, Ottawa, Canada (eine staatliche Kultur-Förderbehörde Kanadas); Stiftung Pro Helvetia, Bern, Schweiz; Ontario Arts Council (eine Provinz-Kulturförderstelle), Toronto, Kanada; Schweizerisches Konsulat in Toronto, Kanada; Schweizerische Botschaft in Berlin; Kanadische Botschaft in Berlin; Landesvertretung Mecklenburg-Vorpommern in Berlin; Schloss Bröllin; Unternehmen „Skarb“ (Hydrierwerke Police/Polen).
Ferner: Ingenieurbüro Ahlswede, Bahrmann GmbH Betonwaren, Bau GmbH Nagel, BauBeCon Sanierungsträger Pasewalk, Bredlow GmbH Strassen- und Tiefbau, Gut Borken, Dr. Brechlin, Edeka Pasewalk, Europaschule Arnold Zweig, Joachim Manger (Bröllin), Jatznicker Bauschuttdienste GmbH, Oskar-Picht-Gymnasium Pasewalk, Museum Pasewalk, Rainer Wick, Remmers Deutschland, Schlossbergschule Pasewalk, Sparkasse Uecker-Randow, Strassen- und Tiefbaugesellschaft Ernst Röwer GmbH, Technisches Hilfswerk Pasewalk, TEN-PEN-Chii Art Labor Bröllin, Willhagen & Görs Holz- und Baustoffhandel Wecknitz, Wohnbaugenossenschaft Pasewalk.
Das Team der Aufbauhelfer mit: Adriana August, Amanda York, Anna Muschert, Annabell Pauutz, Anna-Kathrin Lübben, Annika Gräfenhain, Baptiste Aguila, Benedikt Boll, Christopher Robotham, Dana Daetwyler, Dominik Boll, Dorota Tolloczko-Femerling, Dorothea Herlemann, Ed Hancox, Ewelina Benbenek, Fabian Meysel, Felix Pinto, Florian Huber, Gabriele Hertweck, Hannah Kehrer, Ildiko Szabo, Ilze Rimicane, Janni Elsaesser, Jesus Soberon, Joab Nist, Joachim Manger, Karoline Mueller, Livia Wersin, Kathrin Schneeberger, Katja Möhl, Kolja Hubert, Matthias Menz, Matthias Meyer, Nadine Raasch, Nara Silva das Virgens Merlitz, Nepomuk Reinhard, Patrick Wacker, Ping Qiu, Rabea Rugenstein, Ruby Riad, Seinab Bahsung, Stephan Pfaff, Sadu Alqalkili, Theresa Mischke, Viktor Riad, Veronika Hilmer und Zine Lackner.
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